Wir 15 Deutschlehrerinnen und –lehrer am RSG bemühen uns redlich, Ihren Kindern, verstehendes Lesen, Rechtschreibung und Grammatik und auch Literaturgeschichte beizubringen, weil wir es wichtig finden, dass die Kinder unsere Sprache sicher verwenden, die Kulturtechniken beherrschen und somit auch für die Grundlagen jedes Berufs fit sind. Selbstverständlich ist auch, dass sie über den Deutschunterricht das Sprechen sowie das so wichtige Zuhören in den verschiedensten Kommunikationssituationen üben können und im Gesprächsunterricht lernen sollen, sich argumentativ zu entfalten oder auch zur Wehr zu setzen.
Wir versuchen, mit den vielen verschiedenen Individualitäten umzugehen und ihnen so weit wie irgend möglich gerecht zu werden und bemühen uns auch durch eine möglichst geschickte Lektüreauswahl oder durch Klassenbibliotheken und organisierte Lektüreberichte zum Lesen motivieren zu können, um ein Gegengewicht gegen die Herrschaft des Fernsehens, der Fachliteratur und der frühen Spezialisierung durch das Aktivieren der eigenen Phantasie zu gewinnen. Dies gehört sicher zu den immer schwerer zu erreichenden Zielen – aber wir arbeiten daran, einmal durch das Angebot der Bibliothek, in der sich die Schüler mit einer Menge an spannender und aktueller Literatur versorgen können, zum anderen durch den Versuch, grammatische Erkenntnisse selber zu finden oder ein genaues Lesenlernen durch Ersatzproben zu untermauern, Theaterstücke und Ausstellungen selbst zu gestalten und von daher auch handelnd das eigene Wissen und das Erlernte erprobend umzusetzen. (zu den Projekten im Unterricht siehe unten)
Wenn es auch nicht immer gelingt, sollten unsere Schülerinnen und Schüler schon erleben können, dass Literatur ihnen Erfahrungen und Welten zur Verfügung stellt, in die einzutauchen sich lohnt und die sie für sein eigenes Leben „brauchen“ können, auch wenn es erst gar nicht danach aussieht.
Für die Oberstufe ist das Lernen und Einüben des selbstständigen Denkens besonders wichtig - die Literatur zu erfahren als Denkschule, als Wahrnehmungshilfe und als Differenzierung der eigenen Ansichten ist sicher ein lohnenswerter Weg, sich der eigenen, der hiesigen Kultur zu versichern und sie dann auch zum Aufbau des eigenen Selbstbewusstseins zu nutzen, das auch eine Basis für einen toleranten Umgang mit anderen bildet. Dabei sollten schon auch die Werke der Literaturgeschichte und der großen Autoren in das Bewusstsein der Schüler gelangen – nicht nur der Richtlinien wegen!
Die Aufzählung der Werke, die ungefähr in den letzten drei Jahren gelesen wurden, soll zeigen, dass uns auch die Tradition wichtig ist: Schiller: Wallenstein, Kabale und Liebe, Maria Stuart, Lessing: Emilia Galotti, Minna von Barnhelm, Nathan, Goethe: Faust, Iphigenie, Goethe-Lyrik im Goethejahr, Büchner: Woyzeck, Eichendorff: Taugenichts, Romantische Lyrik, Heine im Heine-Jahr, Fontane: verschiedene Romane, Hauptmann, Brecht, Kafka, expressionistische Lyrik und für die Moderne v.a. Dürrenmatt, Frisch, Grass, Böll, Lenz, Hein, Wolf, Braun etc.
Natürlich spiegelt diese Zusammenstellung ein Konglomerat aus Titeln und Autoren, die nicht alle in einem Kurs gelesen und erarbeitet werden, sondern zeigen das Angebot, das wir den Lernenden machen, damit sie sich auswählen und für ihr Lernen und ihre Orientierung wichtige Gegenstände und Themen finden können. Wir besprechen gerne Werke, die gerade im Theater gespielt werden, um die Möglichkeit eines Theaterbesuchs anbieten zu können und damit die Teilnahme am kulturellen Leben ein wenig einzuüben, da dies auch unbedingt zu den Kulturtechniken unserer Zeit gehört. - Die Arbeit mit Filmen, literarischen Verfilmungen und auch die Analyse von Kinowerken steht demnächst auf dem Programm, wenn wir ein wenig mehr der Weiterbildung genossen haben.
Projekte bearbeiten die Schüler und wir in allen Klassenstufen. Ein recht breites Spektrum ist bei der Nachfrage bei den Kollegen herausgekommen- und häufig tragen Wände und Klassenzimmer deren interessante Zeugnisse:
Augenblicklich wird in Klasse 6 parallel und fächerübergreifend(verbindend) mit Lektüre, Theater, Informationsveranstaltungen und künstlerischer Gestaltung das Thema: Welt der Kinder / Kinder der Welt erarbeitet. Dabei haben die Jugendlichen nicht nur - wie bei Projekten üblich - die Fragestellungen gemeinsam entwickelt, sondern auch selbstständig Kartenmaterial, Artikel aus dem Internet, Interviews organisiert und referiert sowie eigenständige kleine Theaterszenen geschrieben. Diese werden am Projekttag (5.12.2000) aufgeführt.
Für die Klasse 5 steht eine Ausstellung unter dem Titel: ‚Friedlich miteinander leben’ auf dem Programm, die das Ergebnis von Lektüre-begleitenden Collagen darstellt sowie das Thema: ‚Wir lesen, untersuchen, schreiben und spielen Fabeln’.
Eine andere Klasse 5 plant die Erstellung eines Sagenbuchs (selbst erfundene bzw. adaptierte oder auch (nur) nacherzählte Sagen) unter dem Thema des Schreibens und Gestaltens mit dem Computer.
In einer weiteren Klasse 5 entsteht ein ‚Klassenzug’ auf Tonpapier, bei dem jeder Schüler seine Klassenkameraden über sich informiert.
In einer Klasse 5 wurde ein Klassenzeitung erstellt , in der in bunter Reihenfolge die Schülerinnen und Schüler sich vorstellten, anhand von Bildern kurze Erzähltexte entwickelten, Briefe zu Konfliktsituationen schrieben und ihre Lehrer interviewten.
Eine Klasse 6 wird sich auch kritisch – und handelnd mit dem Mediengebrauch des einzelnen Schülers auseinandersetzen und Verhaltensregeln für diesen Bereich selbst erarbeiten.
In allen Klassen 6 findet das fächerübergreifende Projekt "Welt der Kinder" statt (s. hierzu "Facherübergreifende Projekte")
Das Projekt der Klasse 7: ‚Zusammenleben von jungen und älteren Menschen’ sammelt in seinen Aufgabenstellungen eine Reihe von Themen, bei denen grammatische Bereiche bewusst gemacht werden können und für das Schreiben verschiedener Textsorten fruchtbar werden. Die Textproduktionen sollen, übersetzt und im Original, in einer Zeitung der Gemeinde unserer portugiesischen Partnerschule erscheinen.
Ein anderes organisiert zwecks Informationsbeschaffung eine Exkursion zur Stadtteil-Bücherei, surft im Internet und wertet die gewonnenen Kenntnisse für eine thematische Ausstellung in der Klasse aus.
In der Klasse 8 findet die Beschäftigung mit dem Medium ‚Zeitung’ Ausdruck im Erstellen eines eigenen Blattes mittels Computer. Das Vorbild erarbeitet man mit einer ansässigen Redaktion.
Außerdem ist im letzten Jahr die Besprechung eines Brecht-Dramas in der Entwicklung eines strukturähnlichen ‚Gegenstücks’ gemündet, das die Schüler nicht nur selbst geschrieben, sondern auch mit der Herstellung der Requisiten und der Beleuchtung umgesetzt haben.
Auskunft über das Projekt "Prometheus" für die Klasse 9 gibt findet sich unter "Fächerverbindende Projekte" in dieser Ausgabe. Die Erfahrungen zur Bedeutung der Industrialisierung für die Menschen, v.a. die Handwerker, wird mit dem Drama von Gerhard Hauptmann, ‚Die Weber’ vertieft.